Hochkirchliche Vereinigung: Was wollen wir?
 
 
 
 


Was wollen wir?
1. An der Überwindung der Gegensätze in der Ökumene mitarbeiten. Ökumenische Kontakte aufbauen und pflegen und ein Forum bieten für erste Kontakte oder breite Diskussionen. Kennenlernen und Verstehen der Intentionen der zuerst fremden anderen christlichen Konfessionen, Theologien und Traditionen. Dafür sind wir für alle die ökumenischen Kontakte zu anderen Organisationen offen, die mit uns an der einen heiligen, sichtbaren und verfassten Kirche mitarbeiten wollen.

2. Die Feier des vollen, eucharistischen Gottesdienstes in allen Gemeinden mindestens einmal in der Woche am Sonntag. Die zentrale Stellung der Heiligen Eucharistie und des Gottesdienstes im gesamten kirchlichen Leben und seine Ausgestaltung in der leibhaften Liturgiesprache des guten evangelisch-katholischen Erbes immer wieder hervorheben und uns nach Kräften dafür einsetzen, dass dies in den Gemeinden vor Ort Wirklichkeit wird.

3. Gemeinsames Nachdenken über die eigene westliche Liturgie-Tradition und ihren Reichtum. Entdecken, Verstehen, Aufnehmen, Auslegung, Pflege und Beachten des Überlieferten als einem notwendigen Beitrag zur "modernen" Diskussion in Kirche und Gesellschaft.

4. Besondere Sorgfalt in der Feier des Gottesdienstes und Ausschöpfen der altkirchlichen und angemessenen modernen liturgischen Möglichkeiten.

5. Die Pflege des täglichen Stundengebetes.

6. Durch die Publikation des "Mitteilungsblattes" (MHV) und gelegentlich erscheinende Bände in der Reihe "Eine Heilige Kirche", an der aktuellen kirchlichen Diskussion teilnehmen und evangelisch-katholisches Gedankengut weitergeben.

7. Im engen Kontakt zu Bruderschaften die Dimension des gemeinsamen Lebens erkennen, lernen, einüben und pflegen.

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Wir sind "evangelisch-katholisch" - wie ist das zu verstehen?

Um diese Selbstbezeichnung unserer Vereinigung zu verstehen, genügt es, über die zwei Bezeichnungen nachzudenken, die Ihnen vertraut sind:

evangelisch und katholisch

Sie kennen sie am ehesten aus den Eigennamen der beiden großen Kirchen in Deutschland. Durch diese Bezeichnungen wird der Eindruck einer sich ausschließenden Alternative erweckt. Die Hochkirchliche Vereinigung, deren Mitglieder aus den evangelischen Landeskirchen kommen und sich in ihren Heimatgemeinden engagieren, möchte zeigen: Ein Christ kann nur auf katholische Weise wirklich evangelisch und nur auf evangelische Weise wirklich katholisch sein und werden.

"Evangelisch" ist ein guter Name für jede Christin und jeden Christen. Er bezieht sich auf das Evangelium, die befreiende und seligmachende Botschaft Gottes an alle Menschen: "Kommt zu mir, denn ich komme zu euch; ich mache euch heil an Leib und Seele, und ich verlange dafür keinen Preis." Jeder Christ sollte sich auch "evangelisch" nennen können, ganz gleich zu welcher verfassten Kirche er gehört. "Evangelisch" heißt, diese Botschaft Jesu Christi im eigenen Leben sichtbar werden zu lassen. Denn die Botschaft ist nicht das Reden darüber, sondern das Leben dieser Sätze, die Begegnung mit Jesus Christus.Jesus von Nazareth hat dieses Evangelium verkündet, ja noch mehr: Er ist durch seinen Tod und seine Auferstehung heute als Christus gegenwärtig in allen Gliedern an seinem Leib, der einen heiligen Kirche. Und das so, dass Christen erfahren und bekennen: In Ihm ist das ewige Wort Gottes, das Evangelium unseres HeilWerdens, ein Mensch geworden, sichtbar, begreifbar, ansprechbar, annehmbar, nicht durch neue Vorschriften und Gesetze, sondern durch die lebendige, gelebte Beziehung zu diesem Christus. Der Geist Gottes ermöglicht allen Christinnen und Christen dieses Leben, in ihm kommt uns Gott so nah, wird sein Reich unter uns so stark, dass wir Freiheit und Freude für unser Leben gewinnen, dass wir "evangelische" Christen werden.

"Katholisch" ist ein guter Name für jede Christin und jeden Christen. Er bedeutet "allumfassend", "auf das Ganze bezogen" und erinnert daran, dass das Evangelium Gottes an alle Men-schen gerichtet ist. Im engeren Sinn ist es der Name für alle getauften Christinnen und Christen, die den einen heiligen Leib seiner Kirche durch alle Zeiten und an allen Orten bilden. "Katholisch" ist der Name für das Verbindende unter den Einzelnen und den Kirchen. Das, was uns allen im Glauben gemeinsam ist, das ist "katholisch". Niemand, der getauft ist, kann daher sagen, er oder sie sei nicht katholisch. Denn in der Beziehung zu dem einen Leib Christi, der dieses eine Evangelium in sich und seinem Leib in Einheit und Vollständigkeit verkörpert, leben alle Christen als eine heilige Kirche.

Beide Aspekte christlichen Lebens gehören untrennbar zusammen. Niemand ist entweder nur "evangelisch" oder nur "katholisch". Stets gehört beides zusammen. Einem Auseinanderfallen dieser beiden Aspekte entgegenzuwirken, die Bereitschaft aufeinander zu hören, miteinander zu sprechen und nachzudenken, das ist die Aufgabe, der sich die Hochkirchliche Vereinigung gestellt hat. Keine und keiner, auch keine Kirche oder Gemeinde, ist in sich schon vollkommen. Sie muss zuhören, lernen und sich ändern. Jede verfasste Kirche muss sich ihrer Katholizität bewusst sein oder werden. Sie sollte keine Angst haben, diesen guten Namen zu tragen. Leider sind wir von diesem Ziel der Ökumene in der landeskirchlichen Praxis noch weit entfernt.

Evangelische Katholizität - also das "katholisch" UND "evangelisch" sein, wie wir es von dem großen Ökumeniker, dem schwedischen Erzbischof Nathan Söderblom (1866-1931) her und unserem ersten Apostolischen Vorsteher, Prof. Dr. Friedrich Heiler (1892-1967) bis heute weitertragen, heißt: -  "Communio" leben - d.h. mit Kirchen, Konfessionen und Orden Gemeinschaft suchen und pflegen.

Der Apostolische Vorsteher und das Kapitel haben 2012 für die gestufte Gestalt der Communio und von Gemeinschaft eine erste Regelung erarbeitet, die die Grundlage für unser Verständnis geistlicher Zusammenarbeit wiedergibt. Damit wird die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Gruppen klar und unser Anliegen erhält eine Form. (Download des Textes "Conventorum Communio 2012").