Die Regel der St.-Johannes-Bruderschaft
 
 
 
 


- Regel -

(48 Artikel, 1994)

1.

Die "Hochkirchliche St.-Johannes-Bruderschaft" als eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern steht unter dem Patronat des Heiligen Apostels und Evangelisten Johannes, des Apostels der Liebe, der Christi Wort von der "einen Herde und dem einen Hirten" und das hohepriesterliche Gebet um die Einheit aller seiner Jünger überliefert hat.

2.

In seinem Geiste wirkt die Bruderschaft durch Gebet und Tat für die sakramentale Erneuerung der evangelischen Kirchen, die Wiedergewinnung der Apostolischen Sukzession und die Wiedererlangung der Einheit der Christenheit.

3.

Die Hochkirchliche St.-Johannes-Bruderschaft ist aus der Hochkirchlichen Vereinigung hervorgegangen. Um ihre Ziele zu verwirklichen, arbeitet sie mit dieser eng zusammen. Der Apostolische Vorsteher der St.-Johannes-Bruderschaft und der Erste Vorsitzende der Hochkirchlichen Vereinigung informieren sich gegenseitig.

 

I. Glaube und Bekenntnis

4.

Die Hochkirchliche St.-Johannes-Bruderschaft steht auf dem Boden der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments, die sie im Einklang mit dem Glaubenszeugnis der Gesamtkirche auslegt.

5.

Sie gebraucht das ökumenische Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel gemäß seiner altkirchlichen Überlieferung und das in den westlichen Kirchen heimische Apostolische Glaubensbekenntnis.

6.

Sie achtet die Glaubensbeschlüsse der sieben ökumenischen Konzile und die Lehren der alten Kirchenväter des Ostens und Westens sowie der Väter der reformatorischen Kirchen.

7.

In ihrem Streben nach evangelischer Katholizität beruft sie sich auf das unveränderte Augsburgische Bekenntnis von 1530, das die Übereinstimmung des evangelischen Rechtfertigungsglaubens mit der Tradition der einen ungeteilten Kirche bezeugt und die Wiederherstellung der zerbrochenen kirchlichen Einheit sucht.

8.

Im Vertrauen auf den Herrn der Kirche und im Schmerz darüber, daß die kirchliche Einheit durch menschliches Unvermögen zerbrochen ist, bittet sie mit Christus den himmlischen Vater, "daß alle eins seien, damit die Welt glaube, daß er von Vater gesandt ist" (Joh. 17,21). Sie bemüht sich nach Kräften, ihren Beitrag zu leisten, das Verständnis zwischen den Kirchen zu fördern und die sichtbare Einheit der Kirche wiederzuerlangen.

9.

Dementsprechend vollzieht sie die in den orthodoxen und katholischen Kirchen unter Berufung auf die Tradition verwalteten Sakramente. Sie unterscheidet zwischen den grundlegenden Sakramenten Taufe und Eucharistie und den sekundären Sakramenten (Beichte, Ordo, Firmung, Krankensalbung und Ehe).

10.

In der Eucharistie sieht die Bruderschaft den Höhepunkt des christlichen Gottesdienstes. Sie bekennt darin die reale Gegenwart Christi unter der Gestalt von Brot und Wein (Conf. Aug. X ).

11.

Im Ordo erkennt sie ein wesentliches Element der Kirche Jesu Christi. Sie bejaht das dreifach gegliederte Amt und die apostolische Sukzession der Amtsträger als die allgemeinkirchliche Grundlage des Ordo.

12.

Zugleich achtet sie die Ordination außerhalb der apostolischen Sukzession stehender evangelischer Kirchen, soweit diese unter Handauflegung und Gebet die Weitergabe des geistlichen Amtes intendiert.

13.

Sie pflegt im Bruderschaftskreise die verschiedenen geistlichen Ämter, wie es die eine ungeteilte Kirche getan hat.

 

II. Das Leben der Glieder

14.

Das Leben in der Bruderschaft dient den Gliedern als Wegweisung und Hilfe zur tieferen Erfahrung der göttlichen Gnade und zu einem vollkommeneren Dienst an den Menschen in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus.

15.

Im Vertrauen auf Gottes Antwort bemühen sich die Glieder um ein geregeltes Gebetsleben. Sie benutzen dazu möglichst eines der kirchlichen Breviere. Sie nutzen jede Gelegenheit, das Stundengebet in Gemeinschaft zu verrichten. Sie bemühen sich um rechte Treue im Fürbittdienst.

16.

Sie beteiligen sich nach Kräften am Leben Ihrer örtlichen Kirchengemeinden. Die Presbyter feiern möglichst jeden Sonntag die Eucharistie in der Gemeinde. Sie achten darauf, daß die Eucharistiegebete auch Anamnese und Epiklese enthalten.

17.

Den Gliedern der Bruderschaft wird empfohlen, wenigstens einmal im Jahr eine Einzelbeichte abzulegen. Die Presbyter der Bruderschaft wirken für die Wiederbelebung der Einzelbeichte in der Gemeinde.

18.

Sie streben danach, nicht von irdischen Gütern abhängig zu sein. Sie beachten die Fast- und Abstinenzregeln der abendländischen Kirche.

19.

Sie wirken in Gebet, Wort und Tat für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, Versöhnung und Zusammenarbeit der Menschen, Völker und Rassen. Sie beteiligen sich an der Einigungsarbeit der ökumenischen Bewegung.

20.

Sie kommen zu den jährlichen Gesamtkonventen zusammen.

21.

Sie vertiefen in Einkehrzeiten und Arbeitstagungen das geistliche und liturgische Leben und erörtern wissenschaftliche Fragen des Glaubens, der Theologie und der Kirche.

22.

Sie besuchen sich nach Möglichkeit, pflegen den persönlichen Austausch und unterstützen sich gegenseitig mit Rat und Hilfe.

 

III. Verfassung

23.

Die Leitung der Bruderschaft liegt in den Händen des Apostolischen Vorstehers. Er ist Bischof in der apostolischen Sukzession. Er wird vom Gesamtkonvent in geheimer Abstimmung mit zwei Drittel Stimmenmehrheit gewählt.

24.

Er entscheidet in allen wichtigen Angelegenheiten nach Befragen der Bruderschaft bzw. des Gesamtkonvents.

25.

Der Apostolische Vorsteher ernennt den Apostolischen Vikar nach Zustimmung des Gesamtkonvents als seinen Stellvertreter in den bischöflichen Funktionen ohne das Recht der Nachfolge.

26.

Er nimmt aus der Bruderschaft die Wahlvorschläge zum Kapitel entgegen und unterbreitet sie dem Gesamtkonvent. Außer den gewählten kann er bis zu drei Glieder der Bruderschaft in das Kapitel berufen.

27.

Er entscheidet nach Zustimmung des Kapitels über die endgültige Aufnahme eines neuen Gliedes der Bruderschaft sowie über den Ausschluß eines Gliedes. Er entläßt Glieder aus der Bruderschaft auf deren Antrag.

28.

Er unterbreitet dem Kapitel Vorschläge zu Firmung und Weihen und nimmt dessen Vorschläge entgegen. Er kann Firmung und Weihen verweigern, Weihen werden nur Gliedern der Bruderschaft erteilt.

29.
Er beruft die erste Sitzung des Kapitels nach der Wahl ein und leitet sie bis zur Wahl des Kapitelvikars. An den weiteren Sitzungen nimmt er teil. Gegen Beschlüsse des Kapitels kann er ein Veto einlegen, das vom Gesamtkonvent mit zwei Drittel Stimmenmehrheit aufgehoben werden kann.
30.

Er lädt zu den Konventen ein und leitet sie. Er kann die Leitung delegieren. Einmal jährlich berichtet er dem Gesamtkonvent über seine Arbeit sowie über Leben und Lage der Bruderschaft. Gegen Beschlüsse des Gesamtkonvents kann er ein Veto einlegen, das mit zwei Drittel Stimmenmehrheit aufgehoben werden kann.

31.

Zur Wahrnehmung der vielfältigen Aufgaben innerhalb der Bruderschaft kann er einzelne Funktionen delegieren. Die jeweilige Delegation bedarf der Bestätigung durch das Kapitel. Der Vorsteher kann die Delegation jederzeit widerrufen.

32.

Vor einer Resignation kann der Vorsteher der Bruderschaft Kandidaten zur Wahl eines Coadjutors mit dem Recht der Nachfolge vorschlagen. Zu dessen Wahl ist eine zwei Drittel Stimmenmehrheit erforderlich.

33.

Wird das Amt des Apostolischen Vorstehers vor der Weihe eines Coadjutors vakant, leitet das Kapitel interimsmäßig die Bruderschaft. Binnen drei Monaten schlägt es der Bruderschaft Kandidaten vor. Vor Ablauf von weiteren drei Monaten wählt der Gesamtkonvent den Nachfolger im Amt.

34.

Der Apostolische Vikar ist wie der Apostolische Vorsteher Bischof in der apostolischen Sukzession. Er unterstützt den Vorsteher in der Leitung der Bruderschaft.

35.

Dem Apostolischen Vorsteher steht das Kapitel zur Seite. Zu ihm gehören außer dem Apostolischen Vikar fünf vom Gesamtkonvent gewählte Glieder der Bruderschaft, die nach Möglichkeit die einzelnen Gruppen (Presbyter, Diakone, Diakonissen bzw. Diakoninnen, Laienschaft) repräsentieren, sowie bis zu drei vom Vorsteher berufene Mitglieder. Wahl und Berufung der Mitglieder des Kapitels erfolgen alle vier Jahre. Das Kapitel ist beschlußfähig, wenn mehr als die Hälfte seiner Mitglieder anwesend sind.

36.

Auf der ersten Sitzung wählt das Kapitel aus seiner Mitte den Kapitelvikar, der die weiteren Sitzungen einberuft und leitet. Der Apostolische Vikar ist nicht wählbar.

37.

Das Kapitel unterbreitet dem Vorsteher Vorschläge zu Firmungen und zu Weihen. Weihen bedürfen der Zustimmung des Kapitels.

38.

Der Gesamtkonvent tritt mindestens einmal im Jahr zusammen. Er ist beschlußfähig, wenn mindestens 25% der Glieder anwesend sind. Er faßt seine Beschlüsse mit einfacher Mehrheit. Anträge, die von Gliedern der Bruderschaft vor Beginn der Sitzung schriftlich vorgelegt werden, müssen vom Gesamtkonvent behandelt werden.

39.

Der Gesamtkonvent wählt den Vorsteher und gegebenenfalls den Coadjutor. Die Ernennung des Apostolischen Vikars bedarf der Zustimmung des Gesamtkonvents.

40.

Der Gesamtkonvent setzt die Höhe des Mitgliedsbeitrags fest.

41.

Der Gesamtkonvent wählt den Kassenwart und erteilt ihm jährlich Entlastung. Er wählt zwei Kassenprüfer und nimmt ihren Bericht entgegen.

42.

Der Gesamtkonvent nimmt den jährlichen Bericht des Apostolischen Vorstehers entgegen und gibt Anregungen für die weitere Arbeit und das Leben der Bruderschaft.

43.

Der Gesamtkonvent kann die Regel mit zwei Drittel Stimmenmehrheit ändern.

44.

Nach Befragen aller Glieder kann der Gesamtkonvent mit drei Viertel Stimmenmehrheit die Bruderschaft auflösen. Im Falle der Auflösung bestimmt er, welchem kirchlichen Zweck das Vermögen der Bruderschaft zufallen soll.

 

IV. Zugehörigkeit

45.

Die Gliedschaft steht grundsätzlich jedem offen, der auf den Namen des Dreieinigen Gottes getauft ist und einer christlichen Kirche angehört.

46.

Die Aufnahme in die Bruderschaft beginnt mit einer zweijährigen Probezeit. Während dieser Zeit wird dem Aufnahmewilligen ein Helfer zur Seite gestellt, der ihn in das Leben der Bruderschaft einführt. Die endgültige Aufnahme erfolgt durch den Apostolischen Vorsteher in einem Gottesdienst.

47.
Glieder, die über einen längeren Zeitraum dem Leben der Bruderschaft ferngeblieben sind, kann der Vorsteher schriftlich befragen. Erklären sich die Befragten nicht oder negativ, kann der Vorsteher ihre Gliedschaft und damit ihr Stimmrecht für ruhend erklären.
48.
Wer aus der Bruderschaft austreten will, teilt seine Absicht in mündlicher oder schriftlicher Form dem Vorsteher mit, der ihn dann entläßt. Die Entlassung bedarf der Schriftform. Der Ausschluß aus der Bruderschaft kann vom Vorsteher bei schweren Verstößen gegen ihren Geist ausgesprochen werden. Doch betrachtet die Bruderschaft die Gemeinschaft mit Ausgetretenen oder Ausgeschlossenen nicht als gelöst, sondern bleibt ihnen in fürbittender Liebe verbunden. Der Wiedereintritt steht jedem nach einer angemessenen Probezeit offen.

Diese Regel wurde vom Gesamtkonvent der Bruderschaft auf Schloß Schwanberg angenommen am Tag des hl. Nikolaus von Flüe (25.09.1994).

Dietrich Simeon Schulze, eps.
Apostolischer Vorsteher

Lorenz Laurentius Schreiner †
Kapitelvikar

Klaus Paulus Jacoby, eps.
Apostolischer Vikar